Innerer Schatz

Tausche Sicherheit gegen Vertrauen

Mit Sicherheit verbinden wir einen Zustand, der frei von Risiken ist oder als gefahrenfrei angesehen wird. Wir wiegen uns in Sicherheit, wenn gewisse Lebensumstände eingetroffen sind. Eine Heirat mit dem Versprechen der ewigen Liebe als Sicherheit. Ein Hauskauf für die Vorsorge der Rente. Aber auch einfach nur der Kauf eines modischen Accessoires, um sicherzugehen im Trend zu sein und anerkannt zu werden, wenigstens so lange der Trend besteht.

Wir verlassen uns so sehr auf Äußerlichkeiten und auf die Meinung der Gesellschaft, dass wir oft aus der Bahn geworfen werden, wenn dann doch alles anders kommt. Und so verlieren wir mit jeder verfehlten Erwartung Stück für Stück Vertrauen in uns selbst, in unsere Intuition. Mit jeder Enttäuschung schüren sich Ängste in uns. Um den Zukunftsängsten zu entgehen, schmieden wir immer noch mehr Pläne. Wir planen, weil es uns vermeintlich Sicherheit gibt. Wir wollen, dass die Menschen um uns herum, wie unser Partner, in diese Pläne einstimmt. Auch wenn dies eintritt, ist es nur eine Illusion und alles andere als sicher. Wir suchen überall dort Sicherheit, wo sie nicht zu finden ist. Wir flüchten uns in materielle Dinge, jedoch geben diese nur eine Scheinsicherheit.

Der Tausch von Sicherheit gegen Vertrauen ist ein Gewinngeschäft. Vergeuden Sie nicht Ihr Leben mit Dingen, die Ihnen wieder weggenommen werden. Vertrauen Sie in sich und in das Leben. Das einzig sichere auf dieser Welt ist, dass wir sind. Nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft, sondern genau in diesem Moment. Ohne ein Ego, welches gesellschaftlichen Idealen hinterherläuft. In der Bewusstheit über uns selbst, in der wahrhaftigen Selbstbewusstheit allein finden wir Sicherheit. Sie ist in uns. Selbstbewusstsein bedeutet nicht besonders extrovertiert und selbstüberzeugt zu sein, es ist vielmehr eine Innenorientierung. Werden Sie sich selbst bewusst, kommt das Selbstvertrauen ganz von allein und so können wir der Spirale der Angst entkommen. Der Schlüssel zum „Sein“ ist sich selbst zu beobachten. Die eigenen Empfindungen, den Körper und die Gefühle.

Wie Sie mehr Vertrauen in das Leben haben können, erklärt uns das Märchen der Brüder Grimm „Die Sterntaler“ schon von klein an. Ein mittelloses Mädchen gibt auf ihrem Weg nicht nur sein letztes Brot an einen Bettler, sondern auch Stück für Stück seine Kleider – im dunklen Wald, wo es keiner sehen kann, sogar sein letztes Hemd an ein frierendes Kind. Und immer noch froh und im Vertrauen als es nichts mehr an sich hat, regnen die Sterne in Talern vom Himmel und dazu ein Hemd, mit dem es die Taler auffangen kann. Nicht an altem anzuhaften und sich von Dingen zu trennen ist oft erleichternd. Wenn wir loslassen, tritt immer etwas Neues in unser Leben. Der Tausch der Sicherheit gegen Vertrauen ist so gewinnbringend, weil es dann nichts mehr gibt, was uns genommen werden kann: Keine Illusionen, keine Erwartungen, wir sind frei. Ihr wahres Selbstvertrauen kann Ihnen niemand wegnehmen.

Übung zur Selbstbeobachtung

Echte Bewusstheit bedeutet nicht zu denken. Wir können solch einen Zustand für kurze Momente in Meditationen erreichen und üben. Für den Anfang können wir aber auch mit folgender Übung beginnen.

Wenn Sie morgens aufwachen, beobachten Sie:

  • Wie sich Ihre Bettdecke anfühlt
  • Wie Sie das Licht wahrnehmen
  • Welche Temperatur Sie empfinden
  • Atmen Sie ein und nehmen die Luft in der Lunge und dem Bauch wahr
  • Spüren Sie, wie sich der Bauch hebt
  • Beobachten, Sie Ihre Gedanken und lassen Sie sie wieder ziehen
  • Beobachten Sie Ihre Gefühle
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Sein

Übung, um ins „Jetzt“ zu kommen

Die Vergangenheit ist nicht mehr da, die Zukunft ist noch nicht da, Beide bewegen sich sinnlos in Richtungen, die wir nicht greifen können.

Wenn Sie Gedanken der Vergangenheit oder der Zukunft quälen, werden Sie sich bewusst, Sie können weder die Vergangenheit ändern noch die Zukunft mit Sicherheit füllen. Es hilft in solchen Momenten den Körper zu spüren.

  • Sie können ein Gummiband am Handgelenk zurückschnellen lassen
  • Oder beginnen Sie die Füße am Boden zu spüren und gehen Sie ganz langsam im Raum herum, wie in Zeitlupe.
  • Sie können auch singen oder Laute von sich geben und hören, dass der Ton nur in der Gegenwart existiert. Sobald Sie aufhören zu tönen ist es Vergangenheit.

Sinje Müller, 09.06.2019