Innerer Schatz

Intuition – Da gibt es eine Stimme, die keine Worte benutzt – höre ihr zu. (Zitat: Rumi)

 

 

Jeder hat sie irgendwann in seinem Leben schon einmal gehört. Die innere Stimme, das Bauchgefühl, die Intuition. Sie warnt vor Gefahr oder lässt uns Entscheidungen fällen aufgrund einer Eingebung, die wir nicht begründen können.

Es kann passieren, dass du – obwohl alle Rahmenbedingungen bei einem neuen Jobangebot stimmen – auf dein Bauchgefühl hörst, weil es dir etwas Gegenteiliges sagt. Oder du die Eingebung hast, ein Glas Wasser nicht zu trinken und später feststellst, es ist eine Scherbe im Glas gewesen. Du begegnest einem Menschen und merkst sofort, dass etwas nicht stimmt. Da du jedoch jedem eine Chance geben möchtest, lässt du diesen in deinen engeren Kreis und stellst erst später fest, dass du auf deine Intuition vertrauen kannst, wenn unschöne Dinge passieren. Aber natürlich genauso auch umgekehrt. Deine Intuition hilft dir, Menschen und Situationen einzuschätzen, Vertrauen in dich selbst und in das Leben zu haben sowie in Klarheit zu agieren. Intuition kommt aus deinem Sein heraus.

Im Gegensatz zum Instinkt ist die Intuition unabhängig vom Außen, unabhängig von Bedürfnissen und Trieben. Unser Instinkt wirkt sich spontan auf unseren Körper aus. Die Intuition jedoch wirkt spontan auf unsere Seele und auf unser Bewusstsein.

Auch der Unterschied zwischen Angst und Intuition lässt sich gut beschreiben. Deine Angst kannst du oft körperlich spüren. Zum Beispiel im Bauch oder im Halsbereich, durch Hitzewallungen, Zittern oder Schwitzen. Manchmal ist aber auch einfach ein Beklemmungsgefühl. Die Intuition jedoch ist klar und deutlich, ein plötzlicher Gedanke, der dich wissen lässt, was richtig ist, ohne dass du dabei Gefühle empfindest.

Doch was bedeutet Intuition wörtlich gesehen? Das englische Wort „tuition“ bedeutet „Unterweisung“ oder „Unterricht“. Es wirkt also jemand von außen ein, um dir etwas beizubringen. Ein Tutor oder ein Lehrer. Setzen wir nun das „In“ davor wird klar, dass die Intuition in unserem inneren Wesen geschieht. Du kannst durch Außenstehende zu Wissen gelangen, die Intuition jedoch kann dir niemand beibringen. Sie ist von Beginn an vorhanden. Dein innerer Lehrer.

Erleben wir dieses Gespür, bleibt die Frage nach dem „Warum“ unbeantwortbar und das ist gut so. Für eine Entscheidung, die wir im Verlass auf unsere Intuition getroffen haben, gibt es keinen Grund. Die Erkenntnis, die Eingebung oder wie man es auch nennen mag, ist einfach da. Intuition kennt keinen schrittweisen Prozess, um eine Erkenntnis entstehen zu lassen. Wir können Intuition nicht zum Ursprung zurückverfolgen und sie ergründen, wie unseren Instinkt. Deshalb mag es für einige Menschen beängstigend sein, der Intuition zu vertrauen und den Verstand einmal auszuschalten.

Gedanken und Wörter prasseln den ganzen Tag durch verschiedenste Kanäle und Medien auf uns ein. Wir haben gelernt, uns mit unseren Gedanken zu identifizieren. Der Nachhall des Grundsatzes von dem Philosophen René Descartes „Ich denke also bin ich“ manifestierte sich in uns bis heute. Doch wir sind viel mehr als nur unser Verstand. Und wenn wir glauben was wir denken, kommen wir nicht in die Entwicklung und nicht zu uns selbst. Wir selbst sind die, die sich verletzen, wenn wir glauben was wir denken. Wir selbst sind die, die aufhören können uns zu verletzen. Es liegt in unserer eigenen Macht. Wenn wir nur im Verstand sind, verpassen wir das Leben. Wir denken so lang über Situationen nach, wägen Pro und Contra ab und versäumen den Moment.

Doch was hilft uns, wenn wir „um unseren Verstand gebracht“ werden? Unsere Intuition und der Mut sich darauf zu verlassen, dass sie von ganz allein zu Tage tritt. Wenn wir im Einklang mit uns selbst sind, vom Denken ins Fühlen kommen, können wir Stück für Stück näher zu unserer Intuition vordringen. In dem Moment, in dem wir Gedanken und Verstand beiseiteschieben, findet unsere Intuition Raum sich zu entfalten. Intuition ist nicht wertend, nicht urteilend, sie ist klar und wie ein Spiegel für uns. Unser Innerer Lehrer, die Intuition, erschafft nichts neues, sondern reflektiert das was ist und bringt es in unser Bewusstsein. Intuition ist nicht abhängig, sie kennt keine Bedürfnisse und deswegen können wir ihr vertrauen.

Wenn wir uns zurück in unsere Kindheit erinnern, können wir feststellen, dass wir uns gut auf unsere Intuition verlassen konnten. Denn damals war unser Verstand noch nicht so aktiv. Nicht nur durch Gedanken und Nutzen unseres Intellektes ist die Intuition schwächer geworden. Sie kann auch in den Hintergrund rücken, wenn Kindern etwas vorgegaukelt wird. Die Intuition von Kindern ist so stark, man braucht ihnen Dinge nicht zu erzählen, denn sie spüren, wenn etwas nicht stimmt. Geht man auf das Gespür des Kindes ein und kommuniziert offen, kann das eine große Chance sein, dass die Intuition beibehalten wird. Das Kind kann sich selbst bewusst sein und die interessante und hilfreiche Fähigkeit der Intuition beibehalten.

 

Um der Intuition wieder mehr Raum zu geben, müssen wir vom Denken ins Fühlen kommen und vom Fühlen in die Leere. Dort geben wir der Intuition Raum, um zu wirken. Um vom Denken ins Fühlen zu kommen, können wir damit beginnen, uns selbst zu beobachten. Wahrnehmen, was gerade in uns ist und wo wir in uns die gegenwärtige Situation spüren. Sich selbst zu beobachten kann man gut in Gesellschaft üben. Vom Fühlen jedoch in die Leere zu kommen ist meist im Alleinsein leichter, wenn wir nicht abgelenkt von äußeren Einflüssen sind und entspannen. Je öfter wir gedankenlos und frei im Herzen sind, desto besser kann auch im Alltag die Intuition auftauchen. Wir können unsere Intuition durch viele verschiedene Techniken fördern. Ob mit Meditation oder nonverbaler Hypnose, entscheidend ist vor allem die Willenskraft den Verstand loszulassen.