Innerer Schatz

Grenzen setzen und halten

Es ist dir sicherlich schon einmal passiert. Du warst in einer Situation, der du zugestimmt hast und hast dich dennoch unwohl gefühlt. Du wolltest ein Angebot aus Höflichkeit nicht ablehnen oder einen Menschen nicht zurückweisen. Genau in diesen Momenten hast du deine eigenen Grenzen nicht gesetzt, nicht kommuniziert oder vielleicht nicht einmal selbst erkannt.

Beim Thema Grenzen geht es viel um deine Empfindungen und Intuition. Sich selbst Grenzen zu setzen ist oft schon schwer, jedoch anderen Menschen diese zu zeigen und damit Gefahr zu laufen, jemanden vor den Kopf zu stoßen oder sogar Angst vor „Liebesentzug“ zu fürchten ist noch mal ein viel größerer Schritt.

Deine Grenzen kann man als Außenstehender nicht erkennen oder wissen, daher kannst nur du diese Grenzen setzen.

 

Was ist mit Grenzen setzen gemeint?

Du hast als erwachsener Mensch die Möglichkeit, dies mittels deiner Worte zu tun und sie mit Gestik und Mimik zu untermauern, wenn es dir hilft. Ein besonders wichtiges Wort, um Grenzen zu setzen ist das Wort „Nein“. Du kannst das Wort jederzeit verwenden, wann immer du es für richtig hältst und nicht nur, wenn dir eine geschlossene Frage gestellt wurde. In einer Situation, in der deine Intuition dir sagt, dass etwas zu weit geht, dir jedoch die richtigen Worte und Schlagfertigkeit fehlen, kannst du immer erst mal Nein sagen, um die Situation zu verändern. Sobald du es aussprichst, hast du Zeit gewonnen und kannst in dich hineinhorchen.

Grenzen werden nicht nur körperlich, sondern auch oft psychisch überschritten. Bei einer körperlichen Grenzüberschreitung lässt sich recht genau definieren, was sich nicht mehr angenehm anfühlt. Bei einer psychischen Grenzüberschreitung jedoch kann es noch leichter zu Missverständnissen kommen, da jeder seine eigene Wahrheit im Kopf abbildet. Um die Grenzen des Gegenübers zu verstehen, muss jeder seine eigene Wahrheit in Frage stellen. Daher ist es um so wichtiger, auch solche psychischen Grenzüberschreitungen anzusprechen, damit diese nicht immer und immer wieder überschritten werden.

 

Wie wirst du dir deiner Grenzen bewusst?

Um eine Grenze zu setzen, musst du diese erst einmal erkennen. Höre auf deine Intuition und dein Bauchgefühl, wenn du dich in neue Situationen mit neuen Menschen begibst.

Damit du wach für deine Bedürfnisse und Grenzen wirst, egal ob in der Partnerschaft, im Job oder auch im familiären Umkreis gibt es einige Übungen, die du machen kannst, um dich zu stärken.

Übung „Nein“ zu Berührung

Für diese Übung benötigst du einen Übungspartner/ Übungspartnerin. Frage zum Beispiel einen Freund oder eine Freundin.

  1. Stellt euch gegenüber. Dein Übungspartner fängt an zu fragen, ob dieser dich z.B. an der Schulter berühren darf. Du kannst dies mit Ja oder Nein beantworten.
  2. Bei einem Nein, fragt der Übungspartner nach dem nächsten Körperteil, z.B. den Unterarm.
  3. Bei einem Ja, berührt der Übungspartner deine Schulter, bis du die Berührung mit einem Nein beendest. Dann nimmt der Übungspartner die Hand wieder von der Körperstelle weg und fragt nach dem nächsten Körperteil.
  4. Du kannst diese Übung so lange machen, wie es dir guttut. Wichtig ist, dass du auf deine Intuition hörst und das Wort „Nein“ klar, laut und deutlich aussprichst.
  5. Die Übung kann auch umgekehrt durchgeführt werden, damit du erfährst, dass es sich gar nicht so schlimm anfühlt, wenn man ein „Nein“ empfängt.
  6. Bedanke dich nach der Übung bei deinem Übungspartner.

Übung „Nein“ zum Spiegel

Für diese Übung benötigst du einen Spiegel. Du kannst die Übung allein durchführen.

  1. Stelle dich vor einen Spiegel, indem du dein Gesicht gut sehen kannst.
  2. Möglicherweise hast du vor deinem inneren Auge eine bestimmte Frage oder Situation, in der du gerne eine Grenze gesetzt hättest.
  3. Versetze dich mental zurück in diese Situation und schließe die Augen.
  4. Gehe an den Punkt zurück, an dem du hättest „Nein“ sagen können.
  5. Öffne dann die Augen und betrachte dich im Spiegel, während du klar, laut und deutlich Nein sagst.
  6. Beobachte dich einmal selbst. Wie wirkst du? Bist du stark und energisch dabei? Oder eher zögernd und leise?
  7. Wiederhole den Vorgang, bis du deinem Spiegelbild selbst glaubst, dass eine Grenze gesetzt wurde.
  8. Du kannst du Übung immer wiederholen, wenn dir danach ist.
  9. Bedanke dich nach der Übung bei dir selbst.

Du wirst Stück für Stück eine Veränderung wahrnehmen, wenn du dich mit deinen eigenen Grenzen auseinandersetzt und deine Wahrnehmung stärkst.

Ein „Nein“ bedeutet keine Ablehnung an einen anderen Menschen, sondern ein „Ja“ zu dir selbst.

                                                                                                                           Sinje Müller, 18.März 2019