Innerer Schatz

Die Macht der Worte

Wir sprechen im Schnitt 16.000 Wörter am Tag. Doch wie oft ist uns bewusst, wie mächtig diese Art der Kommunikation eigentlich ist? Ein Wort über die Lippen bringen, unausgesprochene Wörter mitteilen, die richtigen Worte finden. Mit der Macht der Wörter kann so viel Gutes geschehen, jedoch ebenso Destruktives. Manchmal fließen Worte wie ein Wasserfall aus uns heraus. Wir hören und verarbeiten diese Worte siebenmal schneller als wir sehen können. Wegschauen ist leicht, weghören ist schier unmöglich.

Stellen wir uns vor, dass in unserer Sprache negative Worte mit Gift getränkt sind und wir diese unbemerkt konsumieren, indem wir sie hören. Dann kann es passieren, dass wir das Gift erst einmal gar nicht wahrnehmen und doch ist die Giftwirkung nach einiger Zeit noch da und wird zur Last.

Diese Vergiftung passiert mit jedem einmal, sobald Worte kognitiv verarbeitet werden können. Im familiären Umkreis, in der Schule, unter Kollegen und besonders stark auch beim Arzt.

Blogbeitrag April_ die Macht der Worte in dir

Schon mal was vom Nocebo-Effekt gelesen?

Sie kennen den Placebo-Effekt, bei dem Dingen wie Pillen positive Eigenschaften zugeschrieben werden und dadurch eine Heilung geschieht? Die gegenteilige Wirkung hat der Nocebo-Effekt. Ebenso können Menschen jedoch durch die beschriebenen Risiken im Beipackzettel krank werden: Das ist der Nocebo-Effekt. Auch unbedachte Wortdiagnosen wie „Ihnen bleiben nur noch sechs Monate“ oder „Da kann man nicht mehr viel machen“ können in uns Prozesse auslösen, die uns mehr Schaden zufügen, als die eigentliche Erkrankung es tut.

Auch die tief in uns verwurzelten negativen Glaubenssätze gehören dazu. „Ich schaffe das nicht“, „Männer weinen nicht“ oder „Frauen sind dafür nicht gemacht“. Diese Glaubenssätze haben den Ursprung nicht in uns selbst, sondern wurden uns von der Umwelt auferlegt. Indem man diese Glaubenssätze immer wieder gesagt bekommt und verinnerlicht, zieht man genau diese Situationen in seinem Leben an. Somit bestätigt sich der negative Glaubenssatz und wird zum ewigen Kreislauf, bis Sie selbst ihn auflösen. Glaubenssysteme aufzubrechen ist machbar, braucht jedoch vor allem viel Willenskraft zur Veränderung. Also auch die Worte, die Sie selbst zu sich sagen, beinhalten den Nocebo-Effekt und können sich zerstörerisch auswirken.

Erinnern Sie sich zurück, wann Sie sich das letzte Mal unwohl auf Grund von Worten gefühlt haben oder an eine Situation, in der Sie etwas aussprachen und Ihnen direkt im Anschluss bewusst wurde, dass Sie möglicherweise ein anderes Wort hätten wählen sollen. Doch was einmal ausgesprochen und gehört wurde, lässt sich schwer wieder unvergessen machen. Diese Macht besitzt einzig und allein die Person, die die Worte empfing.

Was also tun, um sich der Macht der eigenen Worte bewusst zu werden?

  • Versuchen Sie Ihre Gedanken zu beobachten, bevor sich diese zu Worten formen und ausgesprochen werden.
  • Fragen Sie sich, welche Absicht Sie mit den ausgesprochenen Worten haben.
  • Nehmen Sie die Wirkung der ausgesprochenen Worte beim Gegenüber wahr und auch Ihre eigenen Empfindungen in diesem Moment.
Blogbeitrag_Wörter

Wie lassen Sie sich nicht von der Macht fremder Worte einnehmen?

Negative Worte, Gemeinheiten bis hin zu Mobbing gehen nicht spurlos an uns vorbei. Was einmal empfangen und vom Gehirn verarbeitet wurde ist schwer nicht anzunehmen. Auch wenn diese Worte „nicht so gemeint“ waren oder „in den falschen Hals geraten“ sind, hilft eine Entschuldigung des Senders meist selten. Nur Sie selbst sind in der Lage Worte zu entkräften, umzukehren oder loszulassen.

  • Fragen Sie sich ganz bewusst, ob es stimmen kann, was zu Ihnen gesagt wurde.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie mit Ihren Gefühlen auf die negativen Worte antworten und Sie damit auf eine Projektion reagieren. Sie sind immer so, wie Sie gerade beurteilen. Sie sind ihr Schmerz, Sie sind Ihr Glück.
  • Nur Sie können aufhören, verletzt zu sein, wenn Sie nicht mehr glauben, was Sie denken. Es liegt in Ihrer Macht.
  • Um einen guten Umgang mit Menschen zu finden, mit denen Sie im Konflikt stehen kann ich Ihnen empfehlen in Frieden mit sich und dem Gegenüber zu sein. Sie können dies in die richtigen Bahnen lenken, indem Sie jedem, von dem Sie sich verletzt fühlen, still und heimlich in Ihren Gedanken Frieden wünschen.
Blogbeitrag-Wörter_II

Werden Sie sich der Macht der Worte bewusst und nutzen Sie diese Bewusstheit, um mehr positive Worte in unsere Welt hinauszutragen. Denn laut der Wissenschaft gibt es davon genug:

„Das Gute in der Welt existiert im Überfluss, zumindest in Wörterbüchern. Dort wimmelt es von positiven Ausdrücken, von Begriffen für das Schöne, Gute, Wünschenswerte. Mathematiker, Informatiker und Statistiker um Peter Sheridan Dodds von der Universität Vermont können diese Schwärmereien mit Daten unterfüttern: Die Wissenschaftler werteten mehrere Milliarden Wörter aus, die auf zehn verschiedenen Sprachen in Büchern, Zeitungen, dem Internet, in sozialen Netzwerken und anderen Quellen auftauchen (PNAS, online). Und ihr Fazit ist rosig: In allen analysierten Sprachen haben positiv besetzte Begriffe numerisch eindeutig die Oberhand gegenüber Wörtern für das Negative.“

(Zitat: Sebastian Herrmann, Süddeutsche Zeitung, 10. Februar 2015)

 

                                                                                                                            Sinje Müller, 29.April 2019